D-A-CH Treffen 30. August 2019 in Mannheim

Jährlich treffen sich die Verantwortlichen der IAKS und der länderspezifischen Institute des Sports im speziellen Bereich der Sportinfrastrukturen. Der gegenseitige Wissensaustausch ermöglicht Wissen über die Grenzen hinaus zu tragen. Bereits zum vierten Mal fand das D-A-CH Treffen, diesmal auf Einladung der IAKS Deutschland, im Leonardo Royal Hotel in Mannheim statt. Das aktuelle Thema über „Nachhaltigkeit und Sport“ gab Anlass zum diskutieren und informieren. Passend zur derzeitigen europäischen Diskussion zum Klimawandel widmeten sich die Länder unterschiedlichen Themen – unter anderem den globalen Auswirkungen des Klimawechsels, Best Practice Beispiele für Umweltschutzmaßnahmen bei Sportveranstaltungen oder innovativen Recyclingprozessen von Kunststoffrasen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), die Fachstelle Sportanlagen des schweizerischen Bundesamtes für Sport (BASPO), die IAKS Schweiz, das Österreichische Institut für Schul- und Sportstättenbau (ÖISS) sowie Experten aus der IAKS Deutschland unterstützen die Diskussion durch wertvolle Einblicke und Lösungsideen zum Thema aus Sicht ihrer Länder.

Das für uns aktuelle Thema „Mikroplastik“ in Zusammenhang mit Kunststoffverfüllungen stand im Vordergrund. Der Begriff Mikroplastik beinhaltet Plastikteile ab einer Grösse von 5mm und kleiner. Durch Umwelteinflüsse wie Wetter mit Wind und Starkregen, durch Nutzerverhalten mit Restteilen an Schuhen und Kleidern,  sowie durch Winternutzung mit Schneeräumung gelangen diese Teile der Kunststoffverfüllung in die Umwelt. Dort gibt es keinen natürlichen Abbau, der Anteil insbesondere in den Weltmeeren wird daher stetig zunehmen. Auch wenn es andere gewichtigere Verschmutzer gibt, so veranlasst uns das Vorsorgeprinzip von solchen Anwendungen von Kunststoffmaterialien Abstand zu nehmen. Bei unseren Erhebungen für die Schweiz gehen wir von rund 150 Fussballplätzen aus die mit einem kunststoffverfüllten System gebaut wurden. Es wird bei einer Fläche von 7500 m2 mit einem jährlichen Verlust von 300 kg pro Platz gerechnet, was zu einem Abtrag von geschätzten 45 Tonnen Mikroplastik pro Jahr führt.

Der Neubau von kunststoffverfüllten Rasenspielfeldern ist darum grundsätzlich nicht mehr vertretbar. Als Alternative dazu gibt es einerseits Verfüllungen mit organischen Materialien wie zum Beispiel Kork oder Kokosfasern, jedoch sollte man unverfüllte Kunststoffrasensysteme bevorzugen. Diese Systeme lassen sich nach ihrer Nutzungszeit bei hochwertigen Produkten zu 100% recyclen. Bestehende Anlagen können aus Nachhaltigkeitsgründen bis zum Ende ihrer Lebenszeit weiter belassen werden. Besondere Aufmerksamkeit sollte aber dem bei der Nutzung verbundenen Austrag des Granulates gewidmet werden. Besonders beim Schneeräumen muss mit entsprechenden Massnahmen der Austrag in die Umwelt verhindert werden.

Leider fehlt zur Problematik seitens des Fussballverbands SFV eine klare Stellungnahme, es wird immer noch zu viel auf die Publikationen der FIFA abgestützt, wir erhoffen vom SFV eine klare Haltung zur Nachhaltigkeit und Umwelt mit den Stellungsnahmen.

Mannheimer Erklärung der D-A-CH Länder in der IAKS

  1. Alle Länder setzen sich sehr intensiv und engagiert mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander. Die D-A-CH Länder sehen sich in einer gemeinsamen Verantwortung für dieses Thema.
  2. Es sollte ein breiter Nachhaltigkeitsbegriff angestrebt und das Thema sollte ganzheitlich betrachtet werden (Ökologie, Soziales, Ökonomie, Partizipation). Dazu sollten alle Facetten einer Sportanlage berücksichtigt werden (Planung, Bau, Nutzung, Finanzierung, Verwaltung, Management, Betrieb, Partizipation, Verwertung, Stadtentwicklung, Naturschutz etc.). Bisher wird das Thema zu einseitig betrachtet.
  3. Zwar gibt es gute Kriterien, Normungen und Zertifizierungen für Nachhaltigkeit. Trotzdem wird das Thema immer noch zu wenig aus der Sicht der unmittelbaren Praxis des Bauens, der Nutzung der Räume, der Finanzierung und des Betriebes gesehen und bearbeitet.
  4. Die Nachhaltigkeit wird aktuell häufig vom Massensport und -tourismus, von der Industrie und der Entwicklung von neuen Technologien beeinflusst und stützt sich nicht auf moralische Werte.
    Alle Teilnehmer/innen sind sich einig, dass das Wissen über nachhaltige Wirkungen des Sports unzulänglich ist. Es gibt aber durchaus Best Practice Beispiele.
  5. Die Länder, Organisationen und Institutionen vereinbaren eine bessere Vernetzung untereinander und einen gegenseitigen Informationsaustausch über Best Practice Beispiele, Veranstaltungen, Seminare, aktuelle Studien, Entwicklungen, Trends etc.
  6. Mikroplastik in der Umwelt ist ein gesellschaftliches und grundlegendes Problem, wofür es bisher kein oder nur wenig Bewusstsein gab. Die D-A-CH Länder sehen die Chance, neue und umweltverträglichere Lösungen zu entwickeln. Das Know-how dazu ist vorhanden.
  7. Für die Gesellschaft und die Zukunft des Sports sind Kunstrasenplätze sinnvoll und notwendig. Es sollten jedoch wesentlich umweltverträglichere und ganzheitliche Lösungen entwickelt werden als bisher vorliegen.
  8. Die Innovationen sollten weiter gehen und neben der Umweltverträglichkeit auch die Spieleigenschaften des Kunstrasens sowie den Naturschutz berücksichtigen.
  9. Ein Kunstrasenplatz sollte zukünftig zu 100% recyclebar sein. Alle Länder, Organisationen und Institutionen empfehlen zukünftig einen unverfüllten Kunstrasenplatz.
  10. Die Sportentwicklungs- und somit die Bedarfsplanung sollten bei der Planung von Kunstrasenplätzen mit einbezogen werden (bedarfsgerechte Planung).
  11. Alle D-A-CH Länder sind davon überzeugt, dass der Sport zur Umweltverträglichkeit beitragen muss und auch kann. Dazu wird alles darangesetzt, Innovationen und Lösungen zu entwickeln, die zur Umweltverträglichkeit beitragen.

Mannheim 30.August 2019

IAKS Deutschland / Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) / Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)
Österreichisches Institut für Schul- und Sportstättenbau (ÖISS)
IAKS Schweiz / Fachstelle Sportanlagen BASPO